02. August 2026
Offenes Herz statt Hetze
In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.
Gedanken zum Text
Wie gut passt dieses Evangelium in unsere Zeit?
Die aktuelle Regierung hat massive Kürzungen beschlossen, die fast alle sozialen Bereiche betreffen und gleichzeitig den Rüstungsetat erhöht. Die Verteilung der öffentlichen Mittel, Debatten über Leistungsträger*innen und „Talahons“, über „das Stadtbild“ oder die Fixierung auf Wirtschaftswachstum haben eines gemeinsam: Sie erschaffen Feindbilder. Sie vermitteln das Gefühl: „Wir haben nicht genug, und niemand darf uns etwas wegnehmen.“
Mit Existenzängsten und Leistungsdruck wird Politik gemacht, rassistische Ressentiments werden bedient. All das geschieht unter dem Versprechen, die Menschen in diesem Land zu schützen. Doch vor wem eigentlich?
Ich bin ehrlich: Mich kotzt das an. Wie oft führe ich in meinem Alltag, beruflich wie privat, den gleichen Kampf und muss immer wieder deutlich machen: Du hast genug! Niemand nimmt dir etwas weg!
Den meisten von uns geht es so gut, dass wir nicht überlegen müssen, ob wir uns den Schwimmbadbesuch leisten können, ob wir die Materialien für das nächste Schuljahr irgendwie zusammenbekommen oder ob wir die kommende Woche wieder von Nudeln mit Pesto leben müssen, weil das Geld sonst nicht reicht. Vielleicht kennen wir solche Situationen sogar nur aus Berichten oder Dokumentationen und haben wenig oder gar keinen Kontakt zu Betroffenen. Wie leicht fällt es dann, sich in seinem gemachten Nest umzusehen und zu überlegen, wie man es am besten verteidigen kann?
Im Evangelium zieht sich Jesus trauernd zurück. Er möchte allein sein, doch die Menschen suchen ihn und folgen ihm. In diesem Moment hat Jesus augenscheinlich weder emotional noch praktisch viel zu geben; er befindet sich selbst in einer verletzlichen Lage. Und obwohl seine Jünger ihm raten, die Menschen wegzuschicken, teilt Jesus das, was er hat.
„Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen.“
Jesus macht sein Herz nicht hart, sondern lässt zu, dass andere Menschen ihn erreichen. Er gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Er gibt, ohne Anerkennung zu suchen.
Ich wünsche uns, dass wir anderen Menschen mit demselben offenen Herzen begegnen können.