17. Mai 2026
Getragen im Alltag - gesendet in die Welt
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.
Gedanken zum Text
Das Evangelium dieses Sonntags zeigt Jesus im Gebet. Ein stiller Moment, fast wie ein Atemzug zwischen Himmel und Erde. Kurz vor seinem Abschied spricht er zum Vater – nicht über Macht, nicht über Erfolg, sondern über Beziehung.
Und dieses Gebet trägt bis heute. Es gilt den Menschen damals, und es gilt uns jetzt, in all den Wegen, die unser Alltag zeichnet. Wenn Jesus sagt: „Ich bitte für sie“, dann ist das wie ein leiser Satz, der dennoch alles trägt. Es bedeutet: Du bist getragen. Getragen – auch in den vielen Beziehungen, die dein Leben füllen, manchmal leuchten, manchmal fordern. Diese Beziehungen sind vielfältig, bunt, zerbrechlich und stark zugleich. Sie prägen dich, begleiten dich, fordern dich heraus und schenken dir Halt. Sie sind Teil deines Weges, Teil deiner Geschichte, Teil deines Herzens.
Da sind die Menschen, die dir täglich begegnen: Arbeitskolleginnen und Kollegen, mit ihren eigenen Geschichten, Partnerin oder Partner, mit denen du Nähe und Spannung teilst, Kinder, die wachsen wollen und Orientierung suchen, Eltern, Großeltern, Geschwister, die dich geprägt haben, Freundinnen und Freunde, die dich halten, wenn du fällst, Nachbarn, die du vielleicht nur im Vorbeigehen siehst, Menschen, die du kaum kennst – die Kassiererin, der Paketbote, der Busfahrer, Haustiere, die dich wortlos beruhigen, Gemeinschaften, in denen du lebst: Vereine, Teams, Gruppen, Gemeinde, Menschen, die Hilfe brauchen: Kranke, Einsame, Geflüchtete, Menschen am Rand, die Natur, die dich trägt: Orte, die dich atmen lassen, Tiere und Pflanzen, die dich begleiten, und schließlich: die Beziehung zu dir selbst, die oft die zarteste und zugleich schwierigste ist.
In all dem gilt: Du bist getragen. Du musst nicht alles allein schaffen. Du darfst müde sein. Du darfst Fehler machen. Du darfst neu beginnen.
Doch Jesus bleibt nicht beim Tragen stehen. Er spricht weiter, tiefer, näher: „In ihnen bin ich verherrlicht.“ Das bedeutet: Du hast eine Sendung. Nicht als Last, sondern als Möglichkeit. Nicht als Pflicht, sondern als Licht, das durch dich hindurchscheinen darf. Und dieses Licht zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern in den kleinen, unscheinbaren Momenten, die dennoch die Welt verändern können.
Diese Sendung zeigt sich in kleinen Gesten, die dennoch die Welt verändern können: Ein freundlicher Blick im Büro, Ein geduldiges Wort in der Familie, Ein ehrliches Zuhören bei Freunden, Ein Moment der Zärtlichkeit in der Partnerschaft, Ein Zeichen der Fürsorge für Kinder oder ältere Angehörige, Ein respektvoller Umgang mit Tieren und der Schöpfung, Ein kurzer Gruß an Menschen, die oft übersehen werden, Ein Beitrag zum Frieden in Gruppen oder Teams, Ein offenes Herz für Menschen, die anders sind als du, Ein achtsamer Umgang mit dir selbst.
So wird sichtbar: Glaube ist keine Theorie. Glaube ist Beziehung. Beziehung zu Gott – und Beziehung zu allen, die uns im Alltag begegnen: zu Menschen, zu Tieren, zur Natur, zur Gemeinschaft, zu dir selbst.
Und in all diesen Beziehungen gilt: Du bist getragen. Du hast eine Sendung. Beides zusammen lässt dein Leben leuchten – manchmal still, manchmal kraftvoll, aber immer bedeutungsvoll.