08. November 2026
Immer wachsam!?
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich wird es sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus! Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch! Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Gedanken zum Text
Wenn ich dieses Evangelium lese, löst das bei mir immer erstmal den selben Impuls aus. Irgendwie komisch, Jesus der immer für alle da ist und keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, Sündern und Nicht-Sündern macht, führt jetzt doch eine zwei Klassen Gesellschaft ein? Die törichten Jungfrauen kommen nicht ins Himmelreich, die tugendhaften jedoch schon. Das passt irgendwie nicht in mein Bild von Jesus.
Erst beim zweiten Blick wird klar: Darum geht es Jesus gar nicht. Schon in mehreren Gleichnissen im Kapitel davor geht es immer um das selbe Thema: Seid also wachsam! Immer wachsam sein, da fällt mir direkt die Figur von Mad-Eye-Moody aus Harry Potter ein. Sein Beruf ist es, schwarze Magier zu verfolgen und er wiederholt immer denselben Spruch „Immer wachsam!“. Bei ihm führt das sogar dazu, dass er ein Glasauge besitzt, das durch alles hindurch sehen kann.
Zwei Personen also denen Wachsamkeit sehr wichtig ist, aber wachsam worauf? Jesus bezieht das in seinem Gleichnis auf die Ankunft des Himmelreichs. Damit kann ich wenig anfangen, das klingt irgendwie sperrig. Wie also das in die heutige Zeit übertragen? In unserem Alltag, beruflich und privat, treffen wir auf jede Menge Menschen und oft bleibt keine Zeit, den Anderen wirklich wahrzunehmen und zu bemerken, welche Sorgen oder Nöte ihn beschäftigen. Wenn wir das ändern und wachsam sind für die Nöte und Sorgen anderer, dann sind wir der Ankunft des Himmelreichs vielleicht schon ein Stück näher, dann holen wir vielleicht auch jetzt schon ein Stück des Himmelreichs in unser aktuelles Leben. Ich bin mir sicher, da hätte Jesus nichts dagegen.
Ich wünsche euch, dass ihr in den kommenden Tagen vielleicht nicht überwachend mit einem magischen, gläsernen Auge wie Mad-Eye-Moody, aber mit einer anderen Achtsamkeit und einem wachsamen Blick für eure Mitmenschen durch euren Alltag geht.