25. Januar 2026
Die Höhle des Lebens
Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafárnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sébulon und Náftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesája gesagt worden ist: Das Land Sébulon und das Land Náftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
Gedanken zum Text
„Denen die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen“. Die Symbolik mit Licht und Schatten ist älter als das Evangelium, aus dem dieses Zitat stammt. Selbst Platon schrieb in seinem Höhlengleichnis schon von dieser Symbolik.
Im Höhlengleichnis geht es um Menschen in einer Höhle, die hinter einer Mauer festgebunden sind, mit dem Gesicht zur Wand der Höhle. Hinter der Mauer brennt ein Feuer, auf der Mauer sind kleine Figuren, die Schatten an die Wand der Höhle projizieren. Die Menschen, die ihr Leben lang vor der Mauer festgebunden sind, kennen nur die Schatten, sie kennen die Figuren gar nicht, deren Schatten sie ständig sehen.
In vielerlei Hinsicht geht es uns ähnlich. Wir sehen nur die Abbilder, nicht was eigentlich dahintersteht. Im Falle des Evangeliums geht es um die Schatten des Todes, wobei wir die eigentlichen Figuren des Lebens nicht erkennen können. Es steckt so viel mehr Licht hinter den Schatten des Todes. Wir dürfen wissen, dass es mehr gibt als den Tod, dass das Leben mehr ist als nur sein Ende. Wir dürfen hoffen auf ein Leben nach dem Tod. Auf ein Leben, außerhalb der Höhle, in dem wir erkennen, dass es mehr gibt, als wir zwischen irdischem Leben und Tod erkennen können. Wir dürfen hoffen, dass sich uns die ultimative höchste Wahrheit offenbart im Leben nach dem Tod.
Und wir dürfen hoffen, dass es uns anders geht als den Menschen im Höhlengleichnis, die so überwältigt sind, von der Welt außerhalb der Höhle, dass sie wiederzurückkehren möchten. Denn dann sind wir bereit, für die Herrlichkeit, die wir im Leben nicht erkennen können.