13. September 2026
Berti Vogts und die öffentliche Meinung
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war. Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.
Gedanken zum Text
Als ich das Evangelium dieses Sonntags gelesen habe, musste ich direkt an eine Dokumentation denken, die ich vor längerer Zeit im Fernsehen gesehen habe. Darin ging es um Berti Vogts, der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft war. Nach der Weltmeisterschaft 1994 wurde er von vielen kritisiert. In der Öffentlichkeit gab es Stimmen, die seinen Rücktritt forderten. Trotzdem blieb er Bundestrainer. Wenige Jahre später, bei der Europameisterschaft 1996, führte er die deutsche Mannschaft zum Titel und wurde dafür gefeiert. Nach der Weltmeisterschaft 1998 wurde er trotz dieses Erfolges erneut scharf kritisiert, weil Deutschland den Titel nicht gewinnen konnte.
Wenn ich darauf zurückblicke, frage ich mich: Haben wir Menschen uns damals richtig verhalten?
Ich würde sagen: nein.
Oft legen wir Menschen auf ihre Fehler fest. Nach einem Misserfolg suchen wir schnell einen Schuldigen. Die vielen guten Leistungen, die vorher erbracht wurden, geraten dabei leicht in Vergessenheit.
Genau hier fordert uns Jesus im heutigen Evangelium zu einem anderen Verhalten auf. Er ruft uns dazu auf, Menschen nicht auf ihre Fehler zu reduzieren. Im Gegenteil: Wir sollen einander immer wieder vergeben und eine neue Chance schenken. Denn auch wir selbst sind darauf angewiesen, dass andere Geduld mit uns haben und uns unsere Fehler nicht ewig nachtragen.
Vielleicht ist das die Botschaft des heutigen Evangeliums: Nicht die Fehler eines Menschen sollen das letzte Wort haben, sondern die Vergebung. Denn dort, wo Menschen bereit sind zu vergeben, kann Gemeinschaft wachsen und immer wieder neu beginnen.